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Hermes Agent lernt mit: Memory, Skills und SOUL.md richtig nutzen

Memory, Skills, Projektregeln und Persönlichkeit erfüllen in Hermes verschiedene Aufgaben. So bringst du Wissen an den richtigen Ort.

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Hermes Agent lernt mit: Memory, Skills und SOUL.md richtig nutzen

Ein Agent wirkt schnell persönlich, wenn er deinen Namen kennt und freundlich antwortet. Wirklich nützlich wird er erst, wenn er Fakten, Arbeitsweisen, Projektregeln und Persönlichkeit auseinanderhalten kann.

Im vierten Level des Videos „The Ultimate Beginner’s Guide to Hermes Agent“ wird Hermes korrigiert, merkt sich eine Schreibpräferenz, verwandelt einen Ablauf in einen Skill und erhält eine eigene Persönlichkeit. Das ist der inhaltliche Kern der gesamten Anleitung: Der Agent soll nicht nur Aufgaben lösen, sondern aus guter Zusammenarbeit ein wiederverwendbares System bilden.

Die offizielle Hermes-Dokumentation macht dabei eine wichtige Unterscheidung. Nicht jede dauerhafte Information gehört in dasselbe Gedächtnis. Wer alles in eine große Datei kippt, baut keinen persönlichen Agenten, sondern eine digitale Küchenschublade.

Vier Arten von Kontext

Hermes wird durch mehrere Markdown-Dateien geprägt. Jede hat eine eigene Aufgabe:

Bereich Wofür er gedacht ist Typischer Inhalt
SOUL.md Identität und dauerhafter Kommunikationsstil direkt, ruhig, knapp, Unsicherheit offen benennen
USER.md stabile Informationen und Präferenzen über dich Name, Rolle, bevorzugte Formate, wiederkehrende Erwartungen
MEMORY.md Dinge, die der Agent über Umgebung und Arbeit gelernt hat Projektkonventionen, Werkzeugbesonderheiten, wichtige Korrekturen
AGENTS.md oder .hermes.md Regeln eines konkreten Projekts Ordner, Befehle, Freigaben, Quellen, Definition of Done

Diese Trennung ist keine akademische Übung. Sie entscheidet, ob eine Anweisung überall gilt, nur dich betrifft oder ausschließlich in einem bestimmten Projekt sinnvoll ist.

Eine kurze Regel hilft:

  • Wer ist der Agent? SOUL.md
  • Wer bist du? USER.md
  • Was hat der Agent gelernt? MEMORY.md
  • Was braucht dieses Projekt? AGENTS.md oder .hermes.md

Eine Korrektur wird nicht automatisch zur guten Erinnerung

Das Video zeigt eine typische Situation: Eine Antwort ist zu lang, der Nutzer korrigiert Stil und Umfang, Hermes speichert die Präferenz und wendet sie später erneut an.

Genau hier lohnt sich ein kurzer Prüfpunkt. Eine Erinnerung sollte:

  • auch in einigen Wochen noch gelten,
  • knapp und eindeutig formuliert sein,
  • keine unnötig sensiblen Details enthalten,
  • eine vorhandene Regel ergänzen oder bewusst ersetzen und
  • für spätere Aufgaben tatsächlich nützlich sein.

„Bitte antworte heute nur mit drei Stichpunkten“ ist meist eine Anweisung für diese Sitzung. „Ich bevorzuge kurze Statusberichte mit Ergebnis, Prüfung und offenem Punkt“ kann eine dauerhafte Präferenz sein.

Hermes speichert USER.md und MEMORY.md laut Dokumentation als eingefrorene Momentaufnahme beim Start einer Sitzung im Systemkontext. Eine neue Erinnerung wird sofort auf dem Datenträger gesichert, erscheint aber erst in einer neuen Sitzung in dieser festen Erinnerungsschicht. Innerhalb des aktuellen Gesprächs kennt der Agent die Korrektur weiterhin aus dem Chatverlauf.

Das erklärt einen scheinbaren Widerspruch: Eine Information kann erfolgreich gespeichert sein und sich trotzdem nicht wie ein sofort neu geladener Systembaustein verhalten.

Memory speichert Wissen, Skills speichern Verfahren

Der Unterschied zwischen Erinnerung und Skill ist besonders wichtig.

Eine Erinnerung lautet zum Beispiel:

Unsere Wochenberichte enden mit Entscheidungen und offenen Punkten.

Ein Skill beschreibt dagegen den vollständigen Weg:

  1. Welche Quellen werden gelesen?
  2. Wie werden neue Informationen ausgewählt?
  3. Welche Gliederung entsteht?
  4. Welche Fakten müssen belegt sein?
  5. Welche Prüfungen laufen vor der Ausgabe?
  6. Was passiert bei fehlenden Daten?

Memory beantwortet also eher was gilt. Ein Skill erklärt wie eine Aufgabe zuverlässig erledigt wird.

Das Video demonstriert, wie aus einem wiederholbaren Arbeitsablauf ein Skill wird. Die offizielle Dokumentation beschreibt Skills als prozedurales Wissen, das bei Bedarf geladen, wiederverwendet und durch den Agenten weiterentwickelt werden kann.

Das klingt nach Selbstverbesserung. Es braucht trotzdem eine menschliche Qualitätsgrenze. Ein fehlerhafter Ablauf wird durch häufige Wiederholung nicht besser, sondern nur schneller reproduziert.

Wann sich ein eigener Skill lohnt

Ein Skill ist sinnvoll, wenn eine Aufgabe:

  • wiederholt vorkommt,
  • mehrere Schritte oder Prüfungen enthält,
  • stabile Quellen oder Werkzeuge verwendet,
  • ein klares Ausgabeformat braucht und
  • nicht jedes Mal neu erklärt werden soll.

Gute Kandidaten sind ein Wochenbriefing, die Aufbereitung von Rechnungsbelegen, eine definierte Recherche oder die Vorbereitung eines regelmäßigen Projektstatus.

Ein Skill sollte mindestens enthalten:

  • Zweck und Grenze: Was erledigt er, was ausdrücklich nicht?
  • Eingaben: Welche Dateien, Konten oder Angaben werden benötigt?
  • Ablauf: Welche Schritte folgen in welcher Reihenfolge?
  • Prüfung: Woran erkennt Hermes ein vollständiges und plausibles Ergebnis?
  • Freigabe: Welche Aktion muss ein Mensch bestätigen?
  • Fehlerweg: Was geschieht, wenn eine Quelle fehlt oder ein Werkzeug ausfällt?

Bei fremden Skills gilt zusätzliche Vorsicht. Lies nicht nur die Beschreibung, sondern auch Anweisungen, Skripte, Installationsbefehle und benötigte Rechte. Ein gut klingender Skill kann technisch sehr viel weiter greifen, als seine Überschrift vermuten lässt.

SOUL.md ist Stil, nicht Lebenslauf

Das Video zeigt eine spielerische Persönlichkeit. Die Dokumentation erlaubt dafür kurzfristige /personality-Profile und eine dauerhafte SOUL.md.

In SOUL.md gehören Eigenschaften, die den Agenten in vielen Situationen prägen sollen:

  • Ton und Direktheit,
  • gewünschte Kürze oder Tiefe,
  • Umgang mit Unsicherheit,
  • Haltung zu Widerspruch,
  • sprachliche Vorlieben und
  • Stilmittel, die vermieden werden sollen.

Nicht dorthin gehören Zugangsdaten, Projektpfade, einmalige Aufgaben oder ein Sammelsurium persönlicher Fakten. SOUL.md wird laut Dokumentation als primäre Identität in den Systemkontext eingebracht. Je länger und widersprüchlicher sie wird, desto schwerer ist vorhersehbar, welcher Teil die Antwort tatsächlich prägt.

Eine brauchbare SOUL.md ist eher eine klare Rollenkarte als eine Autobiografie.

Persönlichkeit ersetzt keine Regeln

„Sei vorsichtig“ klingt vernünftig, begrenzt aber keinen Dateizugriff. „Sei zuverlässig“ definiert nicht, ob eine E-Mail nur vorbereitet oder direkt versendet werden darf.

Persönlichkeit beeinflusst, wie Hermes kommuniziert. Sicherheitsregeln und Projektanweisungen bestimmen, was Hermes tun darf. Die offizielle Dokumentation trennt deshalb SOUL, Projektkontext, Werkzeugrechte und Freigabesysteme.

Für eine robuste Konfiguration:

  • Stil und Identität in SOUL.md,
  • stabile Nutzerpräferenzen in USER.md,
  • gelernte Umgebungsfakten in MEMORY.md,
  • Projektregeln im jeweiligen Projekt und
  • echte Zugriffsbeschränkungen in Werkzeugen, Konten und Betriebssystemrechten.

Ein Lernkreislauf, der nicht heimlich driftet

Ein persönlicher Agent sollte nicht jede spontane Bemerkung dauerhaft speichern. Besser ist ein sichtbarer Lernkreislauf:

  1. Beobachten: Hermes erledigt eine begrenzte Aufgabe.
  2. Korrigieren: Du benennst konkret, was besser werden soll.
  3. Einordnen: Ist es eine einmalige Anweisung, Erinnerung, Projektregel oder ein Verfahren?
  4. Speichern: Die Information landet am passenden Ort.
  5. Prüfen: Eine spätere Aufgabe zeigt, ob die Änderung wirklich hilft.

Bei wichtigen Skills kommt ein sechster Schritt hinzu: Versionieren und zurücknehmen können. Selbstverbesserung ohne nachvollziehbare Änderungsspur ist nur Drift mit gutem Marketing.

Drei kleine Übungen

Du kannst Hermes diese Trennung mit ungefährlichen Aufgaben beibringen:

Übung 1: Eine Präferenz

Lass Hermes einen kurzen Text schreiben, korrigiere eine stabile Formateigenschaft und bitte ausdrücklich darum, nur diese Präferenz zu speichern. Prüfe in einer neuen Sitzung, ob sie angewendet wird.

Übung 2: Ein Projektkontext

Lege in einem Testprojekt eine Regel fest, die nur dort gilt, etwa ein bestimmtes Dateiformat oder einen Quellenstandard. Prüfe anschließend, dass sie in einem anderen Projekt nicht automatisch auftaucht.

Übung 3: Ein kleiner Skill

Nimm eine wiederkehrende Aufgabe mit zwei Quellen und einem klaren Ergebnis. Lass den Ablauf dokumentieren, lies ihn vollständig und teste ihn mit Beispieldaten. Erst danach darf er auf echte Daten zugreifen.

Der erste Teil der Serie zeigt den Weg vom Hermes-Start bis zu ersten Werkzeugen und Konten. Im dritten Teil geht es um Cron-Jobs, Kostenkontrolle, Subagenten und dauerhafte Teams.

Fazit

Hermes wird nicht persönlich, weil du ihm möglichst viele Informationen gibst. Persönlich wird der Agent, wenn jede Information eine klare Aufgabe hat und du sie wiederfinden, ändern und löschen kannst.

Memory bewahrt relevantes Wissen. Skills halten wiederverwendbare Verfahren fest. Projektdateien begrenzen den Kontext. SOUL.md gibt dem Agenten eine stabile Stimme. Diese Trennung wirkt zunächst sorgfältiger als ein großer „Merk dir alles“-Knopf. Genau deshalb bleibt sie später beherrschbar.

Quellen

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Vier persönliche KI-Agenten im Vergleich: wie du sie einrichtest, worauf sie zugreifen und was sie kosten.

Zum Agenten-Kompass
Markus Wolff
Markus Wolff
Gründer KIMAWO