Memory, Skills, Projektregeln und Persönlichkeit erfüllen in Hermes verschiedene Aufgaben. So bringst du Wissen an den richtigen Ort.

Ein Agent wirkt schnell persönlich, wenn er deinen Namen kennt und freundlich antwortet. Wirklich nützlich wird er erst, wenn er Fakten, Arbeitsweisen, Projektregeln und Persönlichkeit auseinanderhalten kann.
Im vierten Level des Videos „The Ultimate Beginner’s Guide to Hermes Agent“ wird Hermes korrigiert, merkt sich eine Schreibpräferenz, verwandelt einen Ablauf in einen Skill und erhält eine eigene Persönlichkeit. Das ist der inhaltliche Kern der gesamten Anleitung: Der Agent soll nicht nur Aufgaben lösen, sondern aus guter Zusammenarbeit ein wiederverwendbares System bilden.
Die offizielle Hermes-Dokumentation macht dabei eine wichtige Unterscheidung. Nicht jede dauerhafte Information gehört in dasselbe Gedächtnis. Wer alles in eine große Datei kippt, baut keinen persönlichen Agenten, sondern eine digitale Küchenschublade.
Hermes wird durch mehrere Markdown-Dateien geprägt. Jede hat eine eigene Aufgabe:
| Bereich | Wofür er gedacht ist | Typischer Inhalt |
|---|---|---|
SOUL.md |
Identität und dauerhafter Kommunikationsstil | direkt, ruhig, knapp, Unsicherheit offen benennen |
USER.md |
stabile Informationen und Präferenzen über dich | Name, Rolle, bevorzugte Formate, wiederkehrende Erwartungen |
MEMORY.md |
Dinge, die der Agent über Umgebung und Arbeit gelernt hat | Projektkonventionen, Werkzeugbesonderheiten, wichtige Korrekturen |
AGENTS.md oder .hermes.md |
Regeln eines konkreten Projekts | Ordner, Befehle, Freigaben, Quellen, Definition of Done |
Diese Trennung ist keine akademische Übung. Sie entscheidet, ob eine Anweisung überall gilt, nur dich betrifft oder ausschließlich in einem bestimmten Projekt sinnvoll ist.
Eine kurze Regel hilft:
SOUL.mdUSER.mdMEMORY.mdAGENTS.md oder .hermes.mdDas Video zeigt eine typische Situation: Eine Antwort ist zu lang, der Nutzer korrigiert Stil und Umfang, Hermes speichert die Präferenz und wendet sie später erneut an.
Genau hier lohnt sich ein kurzer Prüfpunkt. Eine Erinnerung sollte:
„Bitte antworte heute nur mit drei Stichpunkten“ ist meist eine Anweisung für diese Sitzung. „Ich bevorzuge kurze Statusberichte mit Ergebnis, Prüfung und offenem Punkt“ kann eine dauerhafte Präferenz sein.
Hermes speichert USER.md und MEMORY.md laut Dokumentation als eingefrorene Momentaufnahme beim Start einer Sitzung im Systemkontext. Eine neue Erinnerung wird sofort auf dem Datenträger gesichert, erscheint aber erst in einer neuen Sitzung in dieser festen Erinnerungsschicht. Innerhalb des aktuellen Gesprächs kennt der Agent die Korrektur weiterhin aus dem Chatverlauf.
Das erklärt einen scheinbaren Widerspruch: Eine Information kann erfolgreich gespeichert sein und sich trotzdem nicht wie ein sofort neu geladener Systembaustein verhalten.
Der Unterschied zwischen Erinnerung und Skill ist besonders wichtig.
Eine Erinnerung lautet zum Beispiel:
Unsere Wochenberichte enden mit Entscheidungen und offenen Punkten.
Ein Skill beschreibt dagegen den vollständigen Weg:
Memory beantwortet also eher was gilt. Ein Skill erklärt wie eine Aufgabe zuverlässig erledigt wird.
Das Video demonstriert, wie aus einem wiederholbaren Arbeitsablauf ein Skill wird. Die offizielle Dokumentation beschreibt Skills als prozedurales Wissen, das bei Bedarf geladen, wiederverwendet und durch den Agenten weiterentwickelt werden kann.
Das klingt nach Selbstverbesserung. Es braucht trotzdem eine menschliche Qualitätsgrenze. Ein fehlerhafter Ablauf wird durch häufige Wiederholung nicht besser, sondern nur schneller reproduziert.
Ein Skill ist sinnvoll, wenn eine Aufgabe:
Gute Kandidaten sind ein Wochenbriefing, die Aufbereitung von Rechnungsbelegen, eine definierte Recherche oder die Vorbereitung eines regelmäßigen Projektstatus.
Ein Skill sollte mindestens enthalten:
Bei fremden Skills gilt zusätzliche Vorsicht. Lies nicht nur die Beschreibung, sondern auch Anweisungen, Skripte, Installationsbefehle und benötigte Rechte. Ein gut klingender Skill kann technisch sehr viel weiter greifen, als seine Überschrift vermuten lässt.
Das Video zeigt eine spielerische Persönlichkeit. Die Dokumentation erlaubt dafür kurzfristige /personality-Profile und eine dauerhafte SOUL.md.
In SOUL.md gehören Eigenschaften, die den Agenten in vielen Situationen prägen sollen:
Nicht dorthin gehören Zugangsdaten, Projektpfade, einmalige Aufgaben oder ein Sammelsurium persönlicher Fakten. SOUL.md wird laut Dokumentation als primäre Identität in den Systemkontext eingebracht. Je länger und widersprüchlicher sie wird, desto schwerer ist vorhersehbar, welcher Teil die Antwort tatsächlich prägt.
Eine brauchbare SOUL.md ist eher eine klare Rollenkarte als eine Autobiografie.
„Sei vorsichtig“ klingt vernünftig, begrenzt aber keinen Dateizugriff. „Sei zuverlässig“ definiert nicht, ob eine E-Mail nur vorbereitet oder direkt versendet werden darf.
Persönlichkeit beeinflusst, wie Hermes kommuniziert. Sicherheitsregeln und Projektanweisungen bestimmen, was Hermes tun darf. Die offizielle Dokumentation trennt deshalb SOUL, Projektkontext, Werkzeugrechte und Freigabesysteme.
Für eine robuste Konfiguration:
SOUL.md,USER.md,MEMORY.md,Ein persönlicher Agent sollte nicht jede spontane Bemerkung dauerhaft speichern. Besser ist ein sichtbarer Lernkreislauf:
Bei wichtigen Skills kommt ein sechster Schritt hinzu: Versionieren und zurücknehmen können. Selbstverbesserung ohne nachvollziehbare Änderungsspur ist nur Drift mit gutem Marketing.
Du kannst Hermes diese Trennung mit ungefährlichen Aufgaben beibringen:
Lass Hermes einen kurzen Text schreiben, korrigiere eine stabile Formateigenschaft und bitte ausdrücklich darum, nur diese Präferenz zu speichern. Prüfe in einer neuen Sitzung, ob sie angewendet wird.
Lege in einem Testprojekt eine Regel fest, die nur dort gilt, etwa ein bestimmtes Dateiformat oder einen Quellenstandard. Prüfe anschließend, dass sie in einem anderen Projekt nicht automatisch auftaucht.
Nimm eine wiederkehrende Aufgabe mit zwei Quellen und einem klaren Ergebnis. Lass den Ablauf dokumentieren, lies ihn vollständig und teste ihn mit Beispieldaten. Erst danach darf er auf echte Daten zugreifen.
Der erste Teil der Serie zeigt den Weg vom Hermes-Start bis zu ersten Werkzeugen und Konten. Im dritten Teil geht es um Cron-Jobs, Kostenkontrolle, Subagenten und dauerhafte Teams.
Hermes wird nicht persönlich, weil du ihm möglichst viele Informationen gibst. Persönlich wird der Agent, wenn jede Information eine klare Aufgabe hat und du sie wiederfinden, ändern und löschen kannst.
Memory bewahrt relevantes Wissen. Skills halten wiederverwendbare Verfahren fest. Projektdateien begrenzen den Kontext. SOUL.md gibt dem Agenten eine stabile Stimme. Diese Trennung wirkt zunächst sorgfältiger als ein großer „Merk dir alles“-Knopf. Genau deshalb bleibt sie später beherrschbar.
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