AI Native heißt mehr, als ab und zu ChatGPT zu fragen. Es geht darum, die eigene Arbeit so zu ordnen, dass du KI-Agenten führen kannst.

AI Native klingt nach Startups, Entwicklern und Leuten mit sechs offenen KI-Tools gleichzeitig. Im Alltag ist der Gedanke dahinter deutlich bodenständiger.
Wer gelegentlich eine Frage in ChatGPT tippt, nutzt KI, arbeitet aber noch nicht anders als vorher. AI Native wird es, wenn du deine Arbeit so vorbereitest, dass KI wiederkehrende Aufgaben mit dem richtigen Hintergrundwissen, klaren Regeln und einem Gefühl für gute Ergebnisse übernehmen kann.
Im Video „Become AI Native in less than 60 mins“ bringt Greg Isenberg das im Gespräch mit Theo Tabah auf eine einfache Formel: Menschen führen Agenten, Agenten greifen auf den passenden Kontext zu, und das System lernt mit der Zeit dazu. Über Nacht ein kleines Softwareunternehmen werden musst du dafür nicht. Es reicht, deine Arbeit für KI lesbar zu machen.
Hilfreich ist es, drei Ebenen auseinanderzuhalten:
Die meisten fangen bei der zweiten Ebene an. Sie öffnen ein KI-Tool und erwarten, dass es schon weiß, worauf es ankommt. Die KI kennt aber weder deine Arbeitsweise noch deine Ansprüche, sie sieht nur deine Frage. Entsprechend dünn fallen die Ergebnisse aus.
Andersherum klappt es besser. Überleg dir zuerst, bei welcher Arbeit dir KI helfen soll, sammle dann das passende Material und beschreib die wiederkehrenden Aufgaben. Automatisieren lohnt sich erst danach. Das ist weniger aufregend als ein neues Tool, bringt aber deutlich mehr.
Ein Gedanke aus dem Video ist mir besonders hängen geblieben: KI „isst die Mitte“ der Arbeit. Recherche, Rohfassung, Sortieren und Formatieren haben früher viel Zeit gekostet. Das übernimmt zunehmend die KI, und deine Rolle verschiebt sich an den Anfang und ans Ende.
Am Anfang klärst du, was erreicht werden soll, für wen das Ergebnis gedacht ist, welche Informationen verlässlich sind und woran du ein gutes Ergebnis erkennst. Am Ende prüfst du, ob die Aussage stimmt, der Ton passt, nichts Wichtiges fehlt und ob das Ergebnis so rausgehen darf. Du tippst also weniger und bist dafür öfter Auftraggeber, Prüfer und Entscheider.
In Unternehmen geht es bei AI Native um ganze Teams und Wissensdatenbanken. Zu Hause ist der Maßstab kleiner, das Prinzip aber dasselbe. Ein persönliches System kann dir zum Beispiel helfen bei:
Dass alles automatisch läuft, ist dabei gar nicht so wichtig. Viel mehr bringt es, wenn die KI immer wieder auf dasselbe gute Hintergrundwissen zugreifen kann. Sonst fängt jedes Gespräch bei null an, ungefähr so, als würdest du einem neuen Kollegen jeden Morgen wieder erklären, wo die Kaffeemaschine steht.
Statt mit „Welche KI soll ich nutzen?“ fängst du besser mit einer anderen Frage an: Welche wiederkehrende Aufgabe kostet dich jede Woche Aufmerksamkeit? Das kann die Wochenplanung am Montag sein, das Beantworten von Mails, das Einsortieren von Rechnungen oder die Vorbereitung auf Termine.
Diese eine Aufgabe beschreibst du dann einmal ordentlich:
Das ist noch kein Agent und keine Automatisierung, aber eine Grundlage, die du immer wieder verwenden kannst.
Das Video legt viel Wert auf Kontext, und das zu Recht. Agenten helfen erst dann richtig, wenn sie wissen, womit sie arbeiten. Ein perfektes Archiv brauchst du dafür nicht, ein paar feste Orte genügen:
Mit dieser Ordnung bekommt die KI so etwas wie eine Lesebrille. Im nächsten Teil geht es darum, wie du ihr gute Aufträge gibst und kleine Agenten führst.
Weiterlesen: Teil 2: Vom Prompt zum Agentenmanager, KI-Plugins für Wissensarbeit, Microsoft Copilot im Home-Office einrichten.
Quelle: Greg Isenberg, „Become AI Native in less than 60 mins“
Vier persönliche KI-Agenten im Vergleich: wie du sie einrichtest, worauf sie zugreifen und was sie kosten.
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