Die wichtigste neue KI-Fertigkeit ist das Delegieren: klare Aufträge geben, Ergebnisse prüfen und Rückmeldung geben.

Viele, die mit KI anfangen, suchen nach dem perfekten Prompt. Ein guter Prompt hilft auch, aber wer im Alltag regelmäßig mit KI arbeiten will, braucht vor allem eine andere Fähigkeit: Delegieren.
Im Video von Greg Isenberg fällt dazu ein Satz, der zuerst ungewohnt klingt: Jeder wird zum Manager. Gemeint sind dabei KI-Agenten und Assistenten. Sie arbeiten besser, wenn du sie führst wie einen neuen Kollegen, also mit Ziel, Material, Werkzeugen, einem Maßstab für Qualität und einer Rückmeldung.
Damit ein Agent selbstständiger arbeiten kann, nennt das Video vier Voraussetzungen: ein klares Ziel, Skills (also eingeübte Arbeitsweisen), Werkzeuge und Kontext. Im Alltag sieht das so aus.
Ein schwacher Auftrag:
Schreib mir eine gute E-Mail.
Ein besserer:
Schreib eine kurze, freundliche Antwort an einen Kunden. Bestätige die Terminverschiebung und schlag Donnerstag 10 Uhr als neuen Termin vor. Ruhig und professionell, ohne dich zu oft zu entschuldigen. Keine neuen Zusagen. Höchstens 120 Wörter.
Im zweiten Auftrag steckt kein Trick, nur mehr Führung.
Am Anfang steht die Frage, was am Ende anders sein soll. „Mach das besser“ oder „Fass das mal zusammen“ lassen der KI zu viel Spielraum. Deutlich besser funktionieren Aufträge wie „Fasse dieses Dokument so zusammen, dass ich in fünf Minuten entscheiden kann“ oder „Vergleiche die beiden Angebote und markiere, wo ich nachhaken sollte“.
Ein gutes Ziel nennt neben dem Thema auch den Zweck. Eine Zusammenfassung fürs Archiv sieht eben anders aus als eine für eine schnelle Entscheidung.
KI wird besser, wenn sie sieht, was für dich „gut“ heißt. Dafür reicht oft eine kleine Sammlung: eine Mail, deren Ton genau gepasst hat, ein gelungenes Protokoll, deine Vorlage für die Wochenplanung oder ein älterer Text, der genau richtig klang.
Perfekt müssen die Beispiele nicht sein. Ohne sie orientiert sich die KI am Durchschnitt, und der ist selten das, was du willst.
Im Video fällt dafür der Begriff Eval, also eine Möglichkeit zu prüfen, ob ein Ergebnis gut ist. Im Alltag reicht dafür meistens eine kleine Prüfliste:
Wenn du diese Punkte einmal aufschreibst, kannst du sie beim nächsten Auftrag gleich mitgeben. So wird aus einem Bauchgefühl ein Maßstab, den auch die KI kennt.
Viele behandeln KI wie eine Suchmaschine, also Frage rein, Antwort raus, fertig. Mehr holst du heraus, wenn du nach dem ersten Ergebnis weiterredest. „Das ist zu werblich, schreib nüchterner.“ „Die Gliederung passt, aber die Risiken fehlen.“ „Den Ton behalten, aber auf die Hälfte kürzen.“
Solche Rückmeldungen sind keine Zeitverschwendung, mit ihnen bringst du der KI deinen Arbeitsstil bei. Bei Tools mit Gedächtnis, Projekten oder eigenen Anweisungen bleibt davon sogar etwas für das nächste Mal hängen.
Agenten brauchen Spielraum, aber keinen Blindflug. Gerade bei Mails, Kalender, Kundendaten oder der Familienorganisation helfen ein paar feste Regeln:
Das ist vorsichtig, und das darf es auch sein. Mutig wirst du später, wenn du weißt, wie dein Agent tickt.
Nimm dir eine wiederkehrende Aufgabe vor und bau daraus einen Mini-Ablauf:
Nach zwei, drei Durchläufen hast du eine kleine persönliche Fähigkeit, die sich wiederholen lässt. Genau das meint das Video mit einem Skill. Im nächsten Teil geht es um das Material, mit dem so ein Skill arbeitet: deinen Kontext.
Weiterlesen: Teil 1: Was AI Native meint, Teil 3: Kontext aufbauen, KI-Plugins für Wissensarbeit.
Quelle: Greg Isenberg, „Become AI Native in less than 60 mins“
Vier persönliche KI-Agenten im Vergleich: wie du sie einrichtest, worauf sie zugreifen und was sie kosten.
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