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Praxis

AI Native werden, Teil 4: Ein 30-Tage-Plan für den Alltag

In 30 Tagen vom gelegentlichen KI-Chat zu ersten festen Abläufen, mit eigenem Kontext und klaren Grenzen.

AI Native werden, Teil 4: Ein 30-Tage-Plan für den Alltag

AI Native klingt nach großem Umbau. Für den Alltag funktioniert ein kleinerer Weg besser: jede Woche eine Fähigkeit dazulernen und nur das automatisieren, was du verstanden hast. Dieser Plan übersetzt die Gedanken aus dem Video „Become AI Native in less than 60 mins“ in vier Wochen, und am Ende steht ein erstes kleines System, das du jede Woche benutzt.

Woche 1: Deine Arbeit sichtbar machen

Um Tools geht es in der ersten Woche noch gar nicht, sondern ums Beobachten. Schreib fünf Tage lang auf, welche Aufgaben sich wiederholen, wo dich das Sortieren mehr Zeit kostet als das Nachdenken, welche Texte regelmäßig entstehen und wo dir eine Vorlage fehlt. Notier dir auch gleich, welche Daten auf keinen Fall in ein externes KI-Tool gehören.

Am Ende der Woche suchst du dir genau eine Aufgabe aus. Gute Kandidaten sind die Wochenplanung, Mail-Antworten, Protokolle, Zusammenfassungen oder der Vergleich von Angeboten. Am besten eignet sich eine, die oft genug vorkommt und klar genug ist, um sie zu beschreiben, auch wenn sie langweilig ist.

Woche 2: Einen Auftrag bauen, den du wiederverwendest

Jetzt wird aus der Aufgabe ein fester Ablauf. Schreib eine kurze Vorlage mit Ziel, benötigten Informationen, gewünschtem Ergebnis, Format, Ton, Prüfpunkten und Grenzen. Für eine Dokumentzusammenfassung könnte das so aussehen:

Fasse das Dokument so zusammen, dass ich eine Entscheidung vorbereiten kann. Fang mit den wichtigsten Aussagen an, nenn offene Fragen und markier Risiken. Schreib am Ende kurz auf, was ich selbst noch prüfen sollte. Keine erfundenen Fakten, Unsicherheiten bitte sichtbar machen.

Teste die Vorlage ein paar Mal, verbessere sie und speichere sie ab. Das ist dein erster kleiner Skill.

Woche 3: Kontext dazulegen

In der dritten Woche bekommt dein Ablauf besseres Futter. Leg einen kleinen Kontextbereich an, mit einer Beschreibung deiner Arbeitsweise, einem gelungenen Beispielergebnis, ein paar Qualitätsregeln und einer Liste der Daten, die tabu sind. Häufige Begriffe, Personen oder Projekte gehören auch hinein.

Dann lässt du denselben Ablauf noch einmal laufen, diesmal mit Kontext, und vergleichst. Meistens wird das Ergebnis deutlich besser. Wenn nicht, ist das auch ein Befund: Dann fehlt vermutlich ein besseres Beispiel oder ein klareres Ziel.

Woche 4: Prüfen, nachschärfen, vorsichtig automatisieren

Nutz den Ablauf in der vierten Woche mindestens dreimal mit echtem Material. Danach schaust du zurück: Was musstest du jedes Mal korrigieren? Welche Anweisung hat gefehlt? Wo war die KI zu unsicher oder zu selbstbewusst? Und welche Schritte darf sie vorbereiten, aber nicht selbst abschließen? Aus den Antworten entsteht Version 2.

Erst jetzt lohnt sich Automatisierung, etwa mit festen Vorlagen in ChatGPT, Claude oder Copilot, mit Projektbereichen voller Dateien und Beispiele oder mit einfachen Verknüpfungen zu Kalender und Aufgaben. Private und berufliche Abläufe hältst du dabei getrennt. Automatisiert wird nur der Teil, den du verstanden hast.

Was du dabei lernst

Programmieren musst du für all das nicht. Was du in diesen vier Wochen übst, ist bodenständiger und trägt trotzdem weit: gute Aufträge formulieren, Informationen ordnen, Beispiele als Maßstab nutzen, Ergebnisse kritisch prüfen und aus Rückmeldungen bessere Abläufe machen. Dazu kommt ein Gefühl dafür, welche Daten wohin dürfen und welches Tool du brauchst.

Wie es danach weitergehen kann

Nach 30 Tagen hast du einen Ablauf, der funktioniert. Von dort aus kannst du einen zweiten bauen, deine Ablage verbessern oder eine kleine Sammlung eigener Skills anlegen. Später kommen vielleicht Kalender, Aufgaben und Mails dazu, eine lokale KI für private Daten oder ein erster persönlicher Agent, der nur mit deiner Freigabe handelt.

Wer beruflich tiefer einsteigen will, kann sich danach mit den Grundlagen von Agenten beschäftigen, mit Markdown als Arbeitsformat, mit Automatisierungsdiensten wie Make, Zapier oder n8n und mit einfachen Tests für die Qualität von Ergebnissen. Nichts davon brauchst du sofort, aber jedes Stück davon macht deine KI-Nutzung belastbarer. Welche vier Agenten sich für den nächsten Schritt anbieten, findest du auf der Seite Agenten.

Weiterlesen: Teil 1: Was AI Native meint, Teil 3: Kontext ist das neue Betriebssystem, Lokale KI-PCs zu Hause.

Quelle: Greg Isenberg, „Become AI Native in less than 60 mins“

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Markus Wolff
Markus Wolff
Gründer KIMAWO